Soziale Innovation

Bekannte Rezepte in grün anwenden ist nicht der Sinn von PEB-Projekten. Sie sollen neue Wege gehen und Modellcharakter haben. Das versucht “Mütter stärken” indem es auf die Kraft der Gruppe setzt. Eine Gruppe die gemeinsam an einem Ziel arbeitet kann mehr, als die selbe Anzahl von Menschen allein. Deswegen sind Selbsthilfegruppen z. Bsp. so erfolgreich.

Negative Kreisläufe durchbrechen

In Nachbarschaften mit Herausforderungen gibt es in Bezug auf Bildung und besonders berufliche Bildung oft negative Kreisläufe, anstatt von positiven. Was bedeutet das im Fall der Düttmann-Siedlung? Dass die Kinder der Siedlung zum Beispiel alle auf dieselbe Grundschule gehen, die von deutschen Eltern der Mittelschicht gemieden wird, weil es ihnen zu viel Schüler mit Migrationshintegrund gibt.

Oder dass ein Arbeitgeber zum Beispiel nicht gerne einem Jugendlichen mit der Adresse ‘Düttmann-Siedlung’ einen Ausbildungsplatz gibt. Oder wie zuletzt diesen Sommer, dass man um 6 Uhr morgens von einer Polizei-Razzia aufgeweckt wird, weil der Nachbar mutmaßlich in kriminelle Aktivitäten verwickelt ist.

Die meisten von uns halten es für normal, dass Eltern einen drängen, die Schule abzuschließen, einen Beruf zu erlernen, oder etwas aus sich zu machen. Das ist aber nicht selbsterständlich. Noch weniger bei Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund, dessen Familien meistens sie eher für Familie als für einen Beruf bestimmen. In den 50er und 60er Jahren war es in Europa ähnlich. Erinnern wir uns, dass ein Mann den Beruf seiner Ehefrau kündigen konnte – ohne ihr Einverständnis.

Positive Kreisläufe schaffen

Wer arbeitet weiss, wie wichtig Motivation ist, um seine Ziele zu erreichen. Wie wichtig Vorbilder sind, um ein Ziel zu haben. Wie wichtig Zuspruch ist, wenn es Rückschläge gibt, oder wenn man glaubt, auf der Stelle zu treten. Erfolg, egal welcher Art, ist selten das Ergebnis einer Person allein. Es sind viele, die dazu beitragen. Mütter stärken will Müttern die glauben, nicht für den Arbeitsmarkt zu genügen vom Gegenteil überzeugen.

Durch das Präsentieren von verschiedenen Berufen wird ein berufliches Ziel gefunden – oder es existiert schon eins. Durch die Einbindung in eine Gruppe von Müttern, die alle eine Ausbildung machen wollen, entsteht ein Gemeinschaftsgefühl. Diese Gruppe soll sich gegenseitig unterstützen und motivieren, am Ball zu bleiben, und helfen, die Zeit besser zu strukturieren. Und sie soll auch Freude bereiten, denn auch das ist ein wichtiger Faktor, um seine Ziele zu erreichen. So haben die meistens von uns die Schule überstanden, obwohl wir sie vielleicht nicht mochten: Man sag seine Freunde.

Auf Selbständigkeit setzen – und Passgenauigkeit

Viele Berufseinstiegsprogramme definieren ein Programm, das die Teilnehmer absolvieren müssen. Man denkt in der Masse, wie sehr das Programm jedem Einzelnen entspricht steht auf einem anderen Blatt. Bei Mütter stärken setzen wir erstens auf die Selbständigkeit der Teilnehmer, die gefördert wird. Die Mütter suchen sich ein Berufsziel aus, das Team begleitet sie bei dem Evaluation und dem Erstellen eines Plans zur Kompetenzerhöhung, damit eine Ausbildung realistisch wird. Zweitens setzen wir auf Passgenauigkeit: Jeder Mutter kann individuell, je nach Stärken und Schwächen, ihren Lehrplan gestalten, indem sie aus einem Pool an Kompetenzen und Kompetenzvermittlern wählt.

Am Anfang steht das Andere

Wir glauben dass Mütter Organisationstalente sind, aber dass man die “Mutter-Kompetenz” in der heutigen Gesellschaft nicht besonders wertschätzt. Damit die Mütter sich selbst in einem anderen Licht sehen, beginnt Mütter stärken mit einer Phase, in der die Mütter an einem Projekt teilnehmen, das von ihrem Alltag weit entfernt ist. Es kann eine Modenschau sein, die man im Viertel organisiert, das Bauen von Möbeln wie Sitzbänke, oder das Aufstellen von Transparenten für eine friedlichere Siedlung.

Egal welches Projekt, es muss eins sein, dass etwas Planung und mehrere Teilnehmer braucht, damit es erfolgreich wird. Aus diesem gemeinsam Projekt sollen zwei Sachen entstehen: Die Gewissheit, mehr zu können, als man vielleicht glaubte. Und das Gefühl, einer Gruppe anzugehören, durch die ich mehr erreichen kann, als ich für möglich hielt. Mit diesem anfänglichen Projekt wird das Fundament eines Gruppengefühls gelegt, auf dem in Folge aufgebaut wird.

Niemand kennt die Zukunft

Natürlich gibt es bei Menschen nie eine Garantie auf Erfolg. Wo Menschen zusammenkommen, und etwas salopp gesagt ‘menscheln’, kann es mächtig in die Hose gehen. Aber es kann auch das Gegenteil werden, es kann über die Maße hinaus erfolgreich werden. Man kann auf Nummer sicher gehen und ein Programm ersinnen, dass zuverlässig Mittelmaß erzeugt. Man kann aber auch das Risiko des Scheiterns in Kauf nehmen, das ist der Preis für die Möglichkeit, überrascht zu werden.

Überrascht von der Motivation, die Teilnehmer an den Tag legen. Überrascht von ihrem Wunsch und Willen, es zu schaffen. Überrascht von ihrem Einfallsreichtum, ihre Ziele zu erreichen. Denn niemand kennt die Zukunft, und niemand weiss, wieviel im anderen steckt. Das weiss man sogar selber oft nicht. Genau deswegen sollten man die Rahmenbedingungen schaffen, damit das Beste zum Vorschein kommen kann. Und das probiert “Mütter stärken in der Düttmann-Siedlung”.

Das Projektteam